Anfälle können unmittelbare körperliche Schäden und medizinische Notfälle verursachen. Das Erkennen dieser Risiken leitet Sicherheitsplanung und akutes Management.
Direkte anfallsbedingte Verletzungen
- Kopfverletzungen: Stürze, Aufprall auf Objekte – Risswunden, Gehirnerschütterung, intrakranielle Blutung.
- Frakturen: Lange Knochen (Oberarm, Oberschenkel), Wirbelkörperkompressionsfrakturen durch heftige Krämpfe.
- Zungen-/Wangenbiss: Laterale Zungenrisswunden häufig; können Nähen erfordern.
- Luxationen: Schulter (hinten), Kiefer.
- Weichteilverletzungen: Schürfwunden, Prellungen.
Atemwegskomplikationen
- Aspiration: Mageninhalt, Speichel oder Blut in die Lunge → Aspirationspneumonie, chemische Pneumonitis.
- Hypoxie: Apnoe während des Anfalls + beeinträchtigte Atmung → zerebrale Hypoxie, potenzielle Hirnverletzung.
- Neurogenes Lungenödem: Selten, durch massiven Katecholaminschub.
Kardiovaskuläre Komplikationen
- Arrhythmien: Tachykardie, Bradykardie, Asystolie (iktale Asystolie selten, aber dokumentiert).
- Blutdruckanstiege: Risiko von Blutungen in gefährdeten Gefäßen.
- Herzstillstand: Selten; meist sekundär zu Hypoxie oder Arrhythmie.
Status epilepticus (medizinischer Notfall)
Definition: Anfall >5 Minuten, oder wiederkehrende Anfälle ohne vollständiges Wiedererlangen des Bewusstseins dazwischen.
- Risiko permanenter neuronaler Verletzung, systemischer Komplikationen (Rhabdomyolyse, Hyperthermie, metabolische Azidose, DIC).
- Mortalität bis zu 20 %, wenn nicht rasch kontrolliert.
- Erfordert sofortige Benzodiazepine (Lorazepam, Midazolam), dann Zweitlinientherapien (Fosphenytoin, Valproat, Levetiracetam), dann Anästhesieinfusion (Propofol, Midazolam, Pentobarbital) auf der Intensivstation.
Plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie (SUDEP)
Keine unmittelbare Komplikation per se, aber ein verheerender Ausgang. Risikofaktoren: unkontrollierte generalisierte tonisch-klonische Anfälle, nächtliche Anfälle, Medikamentennichteinhaltung, junge erwachsene Männer. Prävention: Anfallskontrolle optimieren, nächtliche Aufsicht, Anfallserkennungsgeräte.
Sicherheitsmaßnahmen
- Anfallshandlungsplan für zu Hause/Schule/Arbeit.
- Schutzhelm bei häufigen Stürzen.
- Höhen, alleiniges Schwimmen, Maschinenbedienung vermeiden, wenn unkontrolliert.
- Medikamenteneinhaltung; Notfallmedikament (Benzodiazepin) für Cluster.