Traumatische Asphyxie (auch Perthes-Syndrom) ist ein eigenständiges klinisches Bild, das durch plötzliche, schwere Kompression von Brustkorb und Bauch gegen eine geschlossene Glottis entsteht. Dabei kommt es zu einem massiven retrograden Venösenstau, der Kapillaren im Oberkörper zum Platzen bringt. Sie unterscheidet sich grundlegend von einer einfachen Atemwegsobstruktion.
Klassische Verletzungsmechanismen
- Quetschverletzungen: Fahrzeugüberschläge, Gebäudeeinstürze, Menschenmassen-Drang.
- Schweres Objekt, das den Brustkorb oder Bauch einklemmt.
- Erwürgen oder Hängen in Kombination mit einer Valsalva-ähnlichen Anstrengung.
Pathognomonische Zeichen: Das „Lehrbuch“-Bild
Die Kennzeichen resultieren aus venöser Stauung und Kapillarriss oberhalb der Kompressionshöhe:
- Zerviko-faziale Zyanose und Plethora: Tiefes blau-rotes Verfärben von Gesicht, Hals, oberem Brustkorb und Bindehaut.
- Subkonjunktivale Blutungen: Oft beidseitig und ausgedehnt.
- Petechien: Punktförmige Blutungen im Gesicht, Hals, oberen Rumpf und Augenlidern.
- Neurologische Manifestationen: Krampfanfälle, Bewusstseinsstörungen oder sogar kortikale Blindheit aufgrund zerebraler venöser Stauung.
Häufig assoziierte Verletzungen
Die kompressive Kraft verursacht häufig zusätzliches Trauma:
- Rippenbrüche, Lungenkontusionen, Pneumothorax.
- Herzkontusion, Aortenverletzung.
- Ruptur von Bauchorganen (Leber, Milz).
- Zervikale Wirbelsäulenverletzung.
Prioritäten im Notfallmanagement
- Atemwegsschutz: Intubation bei GCS ≤8 oder Atemwegsbeeinträchtigung.
- Sauerstoffgabe und Beatmung: Zusätzlicher O₂; kontinuierliche SpO₂- und EtCO₂-Überwachung.
- Kreislaufunterstützung: Großlumiger IV-Zugang; vorsichtige Volumensubstitution – Volumenüberladung vermeiden, wenn eine Herzverletzung vermutet wird.
- Herzüberwachung: Kontinuierliches EKG; serielle Troponine zur Arrhythmie- oder Kontusionserkennung.
- Bildgebung: Thorax-Röntgen, CT von Thorax/Abdomen/Beckens, Zervikalsäulen-Bildgebung.
- Neurologische Überwachung: Serielle Untersuchungen; EEG bei Krampfanfällen.
Prognose
Eine isolierte traumatische Asphyxie heilt oft innerhalb von Tagen bis Wochen vollständig, sobald die venöse Stauung abklingt. Die Mortalität wird von assoziierten Verletzungen (Thorax, Abdomen, neurologisch) bestimmt. Langfristige neurologische Folgen sind möglich, wenn während des Ereignisses eine hypoxisch-ischämische Schädigung auftrat.