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Atemwegsmanagement bei Epilepsiepatienten: Pflegemaßnahmen während und nach Anfällen

Atemwegsschutz ist die prioritäre pflegerische Intervention während und nach Anfällen. Die meisten Anfälle sind selbstlimitierend (1–3 Minuten), aber Atemwegskomplikationen können zu Hypoxie, Aspiration und Tod führen.

Sofortmaßnahmen (während des Anfalls)

  1. Positionierung — Erholungsposition (laterale Rückenlage):
    • Patienten auf die Seite rollen (linke bevorzugt) mit leicht überstrecktem Kopf (Kinn hoch) und unterem Arm stabilisiert.
    • Ermöglicht Schwerkraft, Sekrete/Erbrechen abfließen zu lassen, verhindert Zungenobstruktion.
    • Nicht: Etwas in den Mund legen (Bissblöcke, Finger, Löffel) — verursacht Dentaltrauma, Atemwegsobstruktion, Bisse.
    • Nicht: Fixieren — erhöht Verletzungsrisiko.
  2. Absaugung (bei Bedarf):
    • Nur bei sichtbaren reichlichen Sekreten/Erbrechen im Oropharynx.
    • Yankauer oder weichen Katheter verwenden; sanft, kurz (<10 Sek.).
    • Vermeiden Sie die Stimulation des hinteren Rachens (Würgreiz → Aspiration, mögliche Verlängerung des Anfalls).
  3. Sauerstoffgabe:
    • Hochfluss-O₂ über Nicht-Rebreather-Maske (10–15 L/min) oder Nasenkanüle (falls Maske nicht toleriert).
    • Ziel SpO₂ ≥94 %.
    • Früh anwenden; post-iktal fortsetzen.
  4. Kontinuierliche Überwachung:
    • Atemfrequenz, Muster, Anstrengung, SpO₂, ETCO₂ (falls intubiert/erweitertes Monitoring).
    • Auf beobachten: Apnoe, Zyanose, Stridor, Gurgeln, paradoxe Atmung.

Fortgeschrittene Atemwege (wenn Basismaßnahmen versagen)

  • Supraglottische Atemwege (LMA, i-gel): Schneller, weniger stimulierend als Intubation; nützliche Brücke.
  • Endotracheale Intubation: Indiziert für: anhaltender Anfall (>5 Min / Status epilepticus), Apnoe, schwere Hypoxie, Aspirationsrisiko, GCS ≤8. Durchgeführt von ausgebildetem Anbieter (MD, CRNA, ausgebildete RN gemäß Protokoll).
  • Rapid Sequence Intubation (RSI) bevorzugt, wenn Intubation nötig.

Post-iktale Phase

  • Erholungsposition beibehalten, bis vollständig wach.
  • O₂ fortsetzen, bis SpO₂ stabil auf Raumluft.
  • Atemwege, Atmung, Kreislauf alle 5–15 Min neu bewerten.
  • Dokumentieren: Anfallsdauer, Merkmale, Interventionen, O₂-Sättigung, Atemmuster.

Kommunikation & Dokumentation

  • SBAR-Übergabe an eingehendes Team/Arzt.
  • Berichten: Anfallszeitachse, Atemwegsinterventionen, O₂-Anforderung, aktueller neurologischer Status.
  • Neurologie/Epilepsie-Konsultation auslösen bei neuem Beginn, Durchbruch oder Status epilepticus.

Besondere Überlegungen

  • Status epilepticus (>5 Min): Medizinischer Notfall → Benzodiazepine (IV Lorazepam 4 mg erstlinig) + fortgeschrittene Atemwegsvorbereitung + ITS-Überweisung.
  • Schwangerschaft: Linksseitige Lagerung (Aorten-Kaval-Kompression vermeiden).
  • Trauma-Risiko: Bei Sturz Kopfverletzung, Fraktur prüfen.

Pflegemantra: „Positionieren, Sauerstoff, Absaugen, Überwachen, Kommunizieren.“ Niemals etwas in den Mund legen.

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