Ein anhaltender Husten dauert bei Erwachsenen >8 Wochen (chronisch), bei Kindern >4 Wochen. Er ist ein Symptom, keine Diagnose. Systematische Evaluation identifiziert die Ursache bei >90% der immungesunden Nichtraucher, die keine ACE-Hemmer einnehmen und ein normales Brust-Röntgenbild haben.
Häufigste Ursachen (Erwachsene, nach Prävalenz)
- Upper Airway Cough Syndrome (UACS / Post-Nasal Drip): Rhinitis/Sinusitis → Schleim → Reizung des Rachens → Husten. Am häufigsten. Behandlung: intranasale Kortikosteroide, Antihistaminika, Nasenspülung.
- Asthma (Husten-Asthma): Husten als alleiniges/meistes Symptom. Spirometrie + Bronchodilatator-Reaktion oder Methacholin-Provokation. Behandlung: ICS ± LABA.
- GERD / LPR: Mikroaspiration oder vagaler Reflex. Oft „still“ (kein Sodbrennen). Empirischer PPI-Versuch 8–12 Wochen + Lebensstil. pH-Impedanz bei Refraktärem.
- Nicht-astmatische eosinophile Bronchitis (NAEB): Sputum-Eosinophile ≥3%, normale Spirometrie, keine BHR. Spricht auf ICS an.
- Postinfektiöser Husten: Postvirale Bronchialhyperreagibilität. Selbstlimitierend (3–8 Wochen). ICS oder Antitussiva, wenn belastend.
- Medikamenteninduziert: ACE-Hemmer (10–20% – Bradykinin/Substanz P). Auf ARB umstellen. Auch: β-Blocker, Statine (selten).
- Chronische Bronchitis (COPD): Produktiver Husten ≥3 Mo/Jahr × 2 Jahre. Rauchstopp ist oberstes Gebot.
- Bronchiektasen: Chronischer eitriger Auswurf, wiederkehrende Infektionen. CT-Diagnose.
- Interstitielle Lungenerkrankung: Trockener Husten, Dyspnoe, Rasselgeräusche. HRCT.
- Malignität / Aspiration / Herzinsuffizienz / Tuberkulose / Umwelt: Weniger häufig, aber nicht zu übersehen.
Pädiatrische Überlegungen
- Protracted bacterial bronchitis (PBB) – feuchter Husten >4 Wochen, spricht auf 2-wöchigen Amoxicillin-Clavulanat an.
- Fremdkörperaspiration – plötzlicher Beginn, einseitiges Wheezing.
- Gewohnheitshusten (somatisch) – „Honk“-Husten, verschwindet im Schlaf/bei Ablenkung.
Diagnostischer Algorithmus
- Anamnese: Zeitpunkt, Auslöser, Auswurf, begleitende Symptome, Medikamente, Expositionen, Reisen.
- Untersuchung: Oropharynx, Lunge, Herz, Hals.
- Brust-Röntgen – bei Auffälligkeit: weitere Abklärung gemäß Befund. Wenn normal: die vier häufigsten Ursachen (UACS, Asthma, GERD, NAEB) machen >90% aus.
- Spirometrie ± Bronchodilatator ± Methacholin.
- Empirische therapeutische Versuche (sequenziell oder parallel): UACS-Behandlung 2–4 Wochen → Asthma-Controller → PPI-Versuch.
- Überweisung an Pulmologen/HNO, wenn refraktär, Hämoptysie, Gewichtsverlust, auffälliges Imaging.
Symptomatische Linderung (während der Diagnose)
- Honig (1–2 TL) – Evidenz für nächtlichen Husten.
- Dextromethorphan (OTC) – bescheidene zentrale Unterdrückung.
- Guaifenesin – Expektorans, begrenzte Evidenz.
- Benzonat – periphere Antitussiva (nicht-narkotisch).
- Hustenbonbons (Menthol, Pektin) – lindern.
- Codein bei Kindern <12 vermeiden; bei <18 nach Tonsillektomie vermeiden.
Chronischer Husten ist ein diagnostisches Rätsel – kein therapeutisches Ende. Ein systematischer, leitlinienbasierter Ansatz liefert für die überwiegende Mehrheit Antworten und Linderung.