Aspirationspneumonie resultiert aus der Einatmung von oropharyngealen/gastrischen Inhalten in die unteren Atemwege. Die Schwere der Lungenverletzung hängt von Aspirationsvolumen, Säuregehalt, Partikelgehalt, Bakterienlast und Wirtsfaktoren ab.
Pathophysiologie
- Chemische Pneumonitis: Säurehaltige Magensäure (pH <2,5) verursacht sofortige alveoläre Verletzung, Entzündung, Ödeme
- Bakterielle Superinfektion: Anaerobier (Prevotella, Fusobacterium, Peptostreptococcus) und Aerobier besiedeln geschädigtes Gewebe innerhalb von 24–48 Stunden
- Partikelobstruktion: Nahrungsteilchen blockieren Atemwege → Atelectase, distale Infektion
Mögliche Komplikationen
- Lungenfibrose/Narbe: Organisierende Pneumonie → Honigwabenlung, restriktiver Defekt
- Bronchiektasen: Atemweitung, chronischer Schleimpfropf, rezidivierende Infektionen
- Lungenabszess: Nekrotisierende Infektion → Kavitation; kann Drainage erfordern
- Empyem: Infektion des Pleuralraums
- ARDS: Diffuse alveoläre Schädigung durch schwere chemische Verletzung
- Atemversagen/Tod: Höheres Risiko bei Älteren, Immunsupprimierten, Dysphagikern, neurologisch Beeinträchtigten
Behandlung
- Atemwegsschutz: Intubation bei niedrigem GCS oder beeinträchtigtem Atemweg
- Sauerstoff/Beatmung: Ziel SpO₂ ≥90 %
- Antibiotika: Abdeckung Anaerobier + Aerobier (z. B. Ampicillin-Sulbactam, Moxifloxacin, Clindamycin plus Cephalosporin); an Kulturdaten anpassen
- Bronchoskopie: Partikel entfernen, wenn große Aspiration beobachtet wurde
- Unterstützend: Flüssigkeit, Ernährung, Mobilisation, Thromboseprophylaxe
Prognose und Nachsorge
- Leichte Fälle: vollständige Genesung in Wochen
- Schwere Fälle: Monate Rehabilitation; mögliche dauerhafte Beeinträchtigung (reduziertes DLCO, restriktive Physiologie)
- Rezidivierende Aspiration → Ursache behandeln (Dysphagie-Evaluierung, Sondenernährung, GERD-Behandlung, Zahnpflege)
Frühe Erkennung, aggressive Lungentoilette und zielgerichtete Antibiotika minimieren Langzeitfolgen.