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Beidseitiges Handkribbeln: Ursachen von peripherer Neuropathie bis zervikaler Radikulopathie

Häufige Ursachen beidseitiger Handparästhesien

  1. Periphere Neuropathie: Symmetrischer distaler sensorischer Verlust. Ursachen: Diabetes (am häufigsten), B12-Mangel, Alkohol, Medikamente (Chemo, HIV-Drogen), Toxine, Hypothyreose.
  2. Karpaltunnelsyndrom (CTS): Medianusnervenkompression am Handgelenk. Oft beidseitig. Nocturne Parästhesien in Daumen, Zeige-, Mittel-, radialem Ringfinger. Tinel-/Phalen-Zeichen.
  3. Zervikale Radikulopathie (C6–C7): Nervenwurzelkompression durch Bandscheibenvorfall oder Spondylose. Nackenschmerzen, ausstrahlende Symptome, Reflexveränderungen.
  4. Thoracic-Outlet-Syndrom: Neurovaskuläre Kompression im kostoklavikulären Raum. Positionsabhängige Symptome (Armehebung).
  5. Systemische Erkrankungen: Multiple Sklerose (disseminierte Läsionen), Sarkoidose, Vaskulitis, Amyloidose.
  6. Vitaminmangel: B12 (subakute kombinierte Degeneration), B6 (Überschuss oder Mangel), Folsäure, Vitamin E.
  7. Metabolisch: Diabetische Neuropathie, Uremie, Hypothyreose.
  8. Medikamenteneffekte: Chemotherapie (Platin, Taxane), Antiretrovirale, Metronidazol, Isoniazid.
  9. Raynaud-Phänomen: Vasospasmus → Blässe, Zyanose, Rubor; Taubheit/Kribbeln ausgelöst durch Kälte/Stress.

Diagnostischer Ansatz

  • Anamnese: Verteilung, Zeitpunkt, Auslöser, begleitende Symptome, Medikamente, Komorbiditäten.
  • Untersuchung: Neurologisch (sensitiv, motorisch, Reflexe), Tinel/Phalen, Adson, vaskulär.
  • Labore: Glukose, HbA1c, B12, Folsäure, TSH, BSG/CRP, SPEP, ANA.
  • Elektrodiagnostik: NCS/EMG lokalisiert die Läsion (Neuropathie vs. Radikulopathie vs. CTS).
  • Bildgebung: MRT der Halswirbelsäule bei Verdacht auf Radikulopathie.

Red Flags für dringende Abklärung

  • Akuter Beginn mit Schwäche, Gesichtssenkung, Sprechstörung → Schlaganfall/TIA.
  • Schnell fortschreitende beidseitige Schwäche → Guillain-Barré, Rückenmarkskompression.
  • Sattelästhesie, Stuhl-/Blasenfunktionsstörung → Cauda-equina-Syndrom.

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