Neurolyse bezeichnet die bewusste Unterbrechung der Nervenkontinuität oder der perineuralen Verwachsungen, um Schmerzen zu lindern, die durch Einklemmung oder Kompression entstehen. Sie ist für Fälle vorbehalten, die auf konservative und medikamentöse Behandlung nicht ansprechen, wobei die Bestätigung durch einen diagnostischen Block eine Voraussetzung ist.
Techniken
- Perkutane (chemische) Neurolyse
- Bildgesteuerte (Ultraschall, Fluoroskopie, CT) Injektion von neurolytischen Wirkstoffen – Alkohol (50–100 %), Phenol (5–10 %) oder Kryoablation – in der Nähe des Zielnervs. Häufige Ziele: Coeliaplexus, Splanchnicusnerven, Intercostalnerven, Genitofemoralnerv, Morton-Neurom.
- Chirurgische (offene/endoskopische) Neurolyse
- Direkte Visualisierung und Freisetzung kompressiver faszialer Bänder oder externe Neurolyse (Epikuroektomie). Indiziert bei Karpaltunnelsyndrom, Kubitaltunnelsyndrom, Tarsaltunnelsyndrom und Thoracic-Outlet-Syndrom.
- Radiofrequenzablation (RFA)
- Thermische Läsionierung von Medialastnerven (facettenbedingte Schmerzen) oder peripheren Nerven. Technisch eine funktionelle Denervation statt strukturelle Neurolyse.
Risiken und Überlegungen
- Dysästhesie, Neurombildung, Muskelschwäche, Deafferentationsschmerz.
- Chemische Neurolyse birgt das Risiko von Gewebsnekrose bei Extravasation.
Indikationen
Refraktärer neuropathischer Schmerz nach erschöpfenden konservativen Versuchen; diagnostischer Block bestätigt die Rolle des Zielnervs.