Tourette-Syndrom (TS) schließt nicht automatisch aus, den Polizeidienst auszuüben. Die ADA erfordert eine individuelle Bewertung.
Wichtige Überlegungen
- Wesentliche Funktionen: Schießausbildung, Fahren, Verteidigungstaktiken, mündliche Befehle, Berichtswesen, stressbedingte Entscheidungsfindung.
- Tic-Auswirkungen: Motorische Tics (Kopprucken, Achselzucken) vs. vokale Tics (Grunzen, Koprolalie). Häufigkeit, Schwere, Unterdrückbarkeit sind wichtig.
- Komorbiditäten: ADHS, OCD, Angst, Wutattacken – oft beeinträchtigender als Tics allein.
- Medikamentenwirkungen: Alpha-2-Agonisten (Guanfacin), Antipsychotika – Sedierung, kognitive Verlangsamung möglich.
ADA-Rahmenwerk
- Ist die Person qualifiziert (Bildung, Hintergrund, körperliche Fitness)?
- Schränkt TS eine wichtige Lebensaktivität erheblich ein? (In der Regel ja.)
- Kann eine angemessene Anpassung die Ausübung wesentlicher Funktionen ermöglichen?
Mögliche Anpassungen
- Geänderter Arbeitsplan für Medikamenteneinnahme
- Ruheiger Arbeitsplatz für Berichtswesen
- Tic-Unterdrückungspausen während langer Einsätze
- Nicht-Streifen-Einsatz (Ermittlungen, Gemeinschaftsbindung), wenn Streifenfunktionen beeinträchtigt
- Assistenzhund? (Selten bei TS; eher bei PTBS-Komorbidität)
Abteilungs-Ermessen
- Kein Bundesgesetz verbietet TS-Beamte.
- Einige Abteilungen haben pauschale medizinische Standards (anfechtbar gemäß ADA).
- Bedingtes Angebot → individuelle medizinische/psychologische Evaluation → interaktiver Prozess.
Erfolgsfaktoren
- Leichte bis mäßige Tics, gut kontrollierte Komorbiditäten
- Selbstbewusstsein, Bewältigungsstrategien, Offenheit zur Offenlegung
- Unterstützende Befehlsstruktur
Viele mit TS dienen erfolgreich in der Strafverfolgung. Die Barriere ist oft Stigmatisierung, nicht Funktionsfähigkeit.