Chymus (von griechisch chymos, „Saft“) ist die halbflüssige, saure Mischung aus teilweise verdauter Nahrung, Magensekretionen und Schleim, die den Magen durch den Pylorussphinkter in das Duodenum verlässt. Sie ist der kritische Übergangspunkt zwischen Magen- und Darmverdauung.
Bildung im Magen
- Mechanische Verarbeitung: Antrale Peristaltik (3/Min) mahlt Nahrung auf <1–2 mm Partikel
- Chemische Verarbeitung: HCl (pH 1,5–2,5) denaturiert Proteine, aktiviert Pepsinogen → Pepsin
- Pepsinwirkung: Spaltet Proteine → Polypeptide (10–20 % der Proteinverdauung)
- Magenlipase: Leitet Fettverdauung ein (10–30 %, entscheidend bei Säuglingen)
- Schleimschutz: Oberflächenschleimzellen sezernieren bikarbonatreichen Schleim (pH-Gradient 1→7)
- Intrinsischer Faktor: Bindet B12 für die Ilealresorption
Zusammensetzung von Chymus
- Wasser, Elektrolyte, hydrolysierte Proteine (Peptide, Aminosäuren)
- Teilweise verdaute Kohlenhydrate (Speichel-/Pankreas-Amylase setzt sich fort)
- Fetttröpfchen (Magenlipase-Produkte + unverdaute Triglyzeride)
- Magensekretionen: HCl, Pepsin, intrinsischer Faktor, Schleim, Gastrin
- Mikrobiom: geringe Biomasse (Säurebarriere); nimmt distally zu
Transit & Regulation
- Magenentleerung: 2–4 Stunden für Feststoffe; Flüssigkeiten schneller (exponentiell)
- Pylorussphinkter: Erlaubt ~3 mL pro Kontraktion (≈1–3 kcal)
- Feedback-Kontrolle: Duodenale Sensoren (Fett, Säure, Osmolarität, Dehnung) → hormonell (CCK, Sekretin, GIP, GLP-1) + neural (enterogastrischer Reflex) → verlangsamt Magenentleerung
- Kalorien-Lieferrate: ~1–4 kcal/min zum Duodenum
Im Duodenum: Chymus trifft Pankreas & Galle
- Säureneutralisation: Pankreasbikarbonat (Sekretin-stimuliert) hebt pH auf 6–7
- Enzymaktivierung: Trypsinogen → Trypsin → andere Proteasen; Lipase, Amylase
- Galle-Emulgierung: Gallensäuren lösen Fette auf → Mizellen für Lipase-Zugang
- Endgültige Verdauung: Peptide → Aminosäuren; Kohlenhydrate → Monosaccharide; Fette → FA + MAG
Resorption beginnt
- Duodenum: Eisen, Calcium, Folsäure, fettlösliche Vitamine, die meisten Mineralien
- Jejunum: Mehrheit der Makros, wasserlösliche Vitamine
- Ileum: Gallensäuren (Recycling), B12-intrinsischer Faktor, Rest
Klinische Relevanz
- Gastroparese: Verzögerte Entleerung → Übelkeit, Erbrechen, unregelmäßiger Glukose, Bezoare
- Dumpingsyndrom: Schnelle Entleerung → osmotische Verschiebung + hormoneller Anstieg → vasomotorische + GI-Symptome
- Bariatrische Chirurgie: Verändert Chymus-Zusammensetzung/Timing → metabolische Effekte
- Pankreasinsuffizienz: Unverdauter Chymus → Steatorrhö, Mangelernährung
- Kurzdarmsyndrom: Reduzierte Resorptionszeit → Durchfall, Mangel
Transit-Zeitplan
- Mund → Magen: Sekunden
- Magenverarbeitung: 2–4 Stunden
- Dünndarm: 3–5 Stunden
- Dickdarm: 12–48 Stunden
- Gesamt: 24–72 Stunden
Perspektive: Chymus ist kein Abfall – es ist ein präzise formulierter Nährstoffschlamm. Die Choreografie des Magens aus Säure, Enzymen, mechanischer Kraft und hormoneller Signalgebung verwandelt eine Mahlzeit in eine Form, die der Dünndarm effizient resorbieren kann. Stören Sie einen Schritt, und das gesamte Verdauungs-Symphonie stockt.