Erbrechen bei einem beatmeten Patienten ist ein kritischer Notfall aufgrund des hohen Aspirationsrisikos.
Unmittelbare Gefahren
- Aspirationspneumonitis/Pneumonie: Mageninhalt → Trachea → chemische Verletzung + bakterielle Infektion. Mortalität 20–50 %.
- Atemwegsobstruktion: Erbrochenes blockiert ETT oder Trachea → Hypoxie, Herzstillstand.
- Tube-Verschiebung: Würgen kann Extubation oder ETT-Migration verursachen.
- Hämodynamischer Kollaps: Vagusstimulation → Bradykardie, Hypotonie.
Notfallprotokoll
- Sofort absaugen: Oral/pharyngealer, dann endotrachealer (Inline-Katheter).
- Kopfende des Bettes 30–45°: Reduziert passive Aspiration (sollte bereits Standard sein).
- ETT-Position beurteilen: Kapnographie, Brustkorbbewegung, Auskultation, Röntgen Thorax bei Bedarf.
- Antiemetika verabreichen: Ondansetron 4 mg IV, Metoclopramid 10 mg IV oder Propofol-Bolus (wenn hämodynamisch stabil).
- NGT/OGT in Betracht ziehen: Magen entleeren, wenn aufgebläht.
- Beatmungsanpassungen: PEEP vorübergehend erhöhen; ausreichende Sedierung/Analgesie sicherstellen.
Prävention (Standard of Care)
- Kopfende des Bettes 30–45° kontinuierlich erhöhen.
- Enterale Ernährungsprotokolle: Restmengen prüfen, Prokinetika (Metoclopramid/Erythromycin).
- Ausreichende Sedierung/Analgesie, um Würgen zu verhindern.
- Manschettendruck 20–30 cmH₂O (verhindert Mikroaspiration).
- Tägliche Sedierungsunterbrechung + spontane Atmungsversuche (reduziert Beatmungstage).
Jeder beatmete Patient sollte ein schriftliches Aspirationspräventions-Bündel haben. Erbrechen löst sofortiges Absaugen + Antiemetikum + Ursachenanalyse aus.