Leichte geistige Behinderung (MID) (früher „leichte Geistesschwäche“) ist definiert durch:
- IQ-Bereich: ~55–69 (ca. 2–3 SD unter Mittelwert).
- Defizite in der adaptiven Funktionsfähigkeit: Konzeptionell (akademisch, Urteilsvermögen), sozial (zwischenmenschlich, Leichtgläubigkeit), praktisch (Selbstversorgung, Geld, Sicherheit).
- Beginn: Vor dem 18. Lebensjahr.
Typisches Profil
- Akademische Fähigkeiten: Erreichen ~3.–6. Klasse mit Unterstützung.
- Kommunikation: Konkrete Sprache; Schwierigkeiten mit Abstraktem, Nuancen, Sarkasmus.
- Sozial: Übersehen Hinweise, anfällig für Ausbeutung; wünschen Beziehungen, aber fehlen Fähigkeiten.
- Unabhängigkeit: Können halb-unabhängig leben mit Unterstützung (beschützte Beschäftigung, Wohngemeinschaften, Hilfe bei Finanzmanagement).
- Komorbiditäten: ADHS, Angst, Depression, Epilepsie, Autismus-Spektrum (oft gemeinsam auftretend).
Unterstützung und Interventionen
- Sonderpädagogik (IEP), Übergangsförderung (IDEA).
- Lebenskompetenztraining (Budgetierung, Verkehr, Kochen, Gesundheitsnavigation).
- Sozialkompetenzgruppen, kognitive Verhaltenstherapie.
- Beschützte Beschäftigung, berufliche Rehabilitation.
- Alternativen zur Vormundschaft: Unterstützte Entscheidungsfindung, Vollmacht.
Wichtiges Prinzip
Fokus auf Stärken, Selbstbestimmung und Gemeinschaftsintegration. Menschen mit MID führen bedeutungsvolle Leben mit angemessener Unterstützung – Behinderung ist eine Missmatch zwischen Kapazität und Umwelt, kein festes Defizit.