Atelectasis (Lungengewebskollaps) ist mehr als ein radiologischer Befund – sie begünstigt ernsthafte, potenziell lebensbedrohliche pulmonale Komplikationen.
Wichtige Komplikationen
- Pneumonie: Kollabierte Alveolen beeinträchtigen die mukoziliäre Clearance → bakterielles Überwachstum. Häufige Erreger: S. pneumoniae, H. influenzae, Gram-negative. Zeigt sich mit Fieber, eitrigem Auswurf, neuem Infiltrat.
- Akutes Atemnotsyndrom (ARDS): Schwerer, diffuser Atelectasis → Scherspannung, Entzündung → nicht-kardiogenes Lungenödem. Berlin-Kriterien: Akuter Beginn, bilaterale Opazitäten, PaO₂/FiO₂ ≤300.
- Atemversagen: Hypoxämisch (Typ I) oder hyperkapnisch (Typ II) durch Verlust funktioneller Einheiten + V/Q-Mismatch. Kann mechanische Beatmung erfordern.
Zusätzliche Risiken
- Pleuraerguss (transsudativ → exsudativ).
- Bronchiektasen (chronisch rezidivierende Atelectasis).
- Lungenhochdruck (chronische Hypoxie).
Prävention (Perioperativer Schwerpunkt)
- Präoperative Anreizspirometrie.
- Frühe Mobilisation.
- Lungenschonende Beatmung (niedriges Tidalvolumen, PEEP).
- Effektive Schmerztherapie (Epidural, regional) zur Ermöglichung tiefer Atmung.
- CPAP/BiPAP für Hochrisikopatienten.
Behandlung
- Bronchoskopie bei Schleimpropfen.
- Brustphysiotherapie, nebulisierte hypertonische Salze/DNase.
- Rekrutierungsmanöver (beatmete Patienten).
- Antibiotika, wenn Infektion bestätigt.
Frühe Erkennung und aggressive Lungenhygiene reduzieren die Morbidität.