Flache Atmung – schnelle Atemzüge mit geringem Tidalvolumen (Tachypnoe) – signalisiert unzureichende Ventilation und erfordert immer klinische Untersuchung.
Respiratorische Ursachen
- COPD-Exazerbation: Dynamische Hyperinflation begrenzt das Tidalvolumen.
- Asthmaanfall: Bronchokonstriktion erzwingt schnelle, flache Atemzüge.
- Pneumonie: Lungenkonsolidierung reduziert Compliance; pleuritischer Schmerz begrenzt Expansion.
- Lungenembolie: Ventilations-/Perfusions-Missmatch löst reflexartige Tachypnoe aus.
- Pleuraerguss oder Pneumothorax: Mechanische Restriktion der Lungenexpansion.
- Interstitielle Lungenerkrankung: Steife Lungen erzeugen ein schnelles, flaches Muster.
Kardiale Ursachen
- Akute Herzinsuffizienz: Lungenödem steift Lungen; Orthopnoe, paroxysmale nächtliche Dyspnoe.
- Arrhythmien: Schnelle Raten reduzieren Füllzeit; niedriger Output treibt reflexartige Tachypnoe an.
Metabolische und neurologische Ursachen
- Diabetische Ketoazidose: Kussmaul-Atmung (tief, schnell) – Kompensation für metabolische Azidose.
- Sepsis: Frühe Hyperventilation (respiratorische Alkalose); später Ermüdung führt zu flacher Atmung.
- Neuromuskuläre Störungen: Guillain-Barré, Myasthenia gravis, ALS – Atemwegsmuskelschwäche.
- Zentrales Nervensystem: Hirnstamm-Schlaganfall, Opioid-Sedierung, erhöhter intrakranieller Druck.
Hämatologische und psychogene Faktoren
- Schwere Anämie: Reduzierte Sauerstofftransportkapazität löst kompensatorische Tachypnoe aus.
- Panikstörung, Angst: Hyperventilationssyndrom (oft tief, nicht flach).
Red Flags – Sofort Notruf wählen
- Sauerstoffsättigung < 92 %
- Einsatz von Hilfsmuskulatur
- Unfähigkeit, in ganzen Sätzen zu sprechen
- Veränderter Geisteszustand
- Zyanose
Flache Atmung ist ein Symptom, keine Diagnose. Die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren, ist kritisch für zeitnahe, lebensrettende Intervention.