Eine teilweise Risswunde der Thenareminenz (der muskulären Basis des Daumens) ist ein Handchirurgie-Notfall. Die Thenareminenz enthält die vom Nervus medianus innervierten Muskeln (Abductor pollicis brevis, Flexor pollicis brevis, Opponens pollicis) und den Nervus medianus selbst. Der Nervus ulnaris versorgt den tiefen Kopf des FPB und den Adductor pollicis.
Sofortige Erste Hilfe (vor Eintreffen von Rettungsdienst / Notaufnahme)
- Blutung stillen: Direkter Druck mit sterilem Mull oder sauberem Tuch. Keinen Tourniquet am Unterarm/Oberarm für eine Handwunde verwenden – Risiko ischämischer Verletzung.
- Hand über Herzhöhe lagern zur Reduktion von Blutung und Schwellung.
- Immobilisieren: Handgelenk in 20–30° Streckung schienen, Gelenke der Finger (MCP) in 70–90° Beugung, Endgelenke (IP) gestreckt (intrinsische Plus-/„sichere Position“). Daumen abduziert und leicht oppositioniert.
- Nicht tun: Wunde erkunden, Salben auftragen, orale Flüssigkeiten geben (könnte Narkose erforderlich machen), eingebettete Gegenstände entfernen.
- 911 anrufen oder zu einer Notaufnahme mit Handchirurgie-Versorgung fahren.
Warum dringende Spezialistenversorgung kritisch ist
- Nervus medianus-Verletzung: Selbst teilweiseer Schnitt verursacht Thenaratrophie, Verlust der Opposition, Sensibilitätsdefizit (radiale 3,5 Finger). Frühe Reparatur (innerhalb 7–10 Tage) optimiert Regeneration (1 mm/Tag).
- Digitalnerven-Verletzung: Radiale Digitalnerven zu Daumen/Zeigefinger.
- Sehnenbeteiligung: FPL, FPB, APB – Verlust von Daumenbeugung/-abduktion/-opposition.
- Vaskulär: Äste des superficial palmar arch.
- Kompartmentsyndrom: Unterarm/Hand – auf Schmerz im Verhältnis zum Befund, Parästhesie, Blässe, Pulslosigkeit überwachen.
Notaufnahme-Diagnostik
- Neurovaskuläre Untersuchung (gründlich dokumentieren: 2-Punkt-Diskrimination, Semmes-Weinstein, Tinel am Handgelenk/Karpaltunnel).
- Röntgen (Fraktur/Fremdkörper ausschließen).
- Ultraschall / CT-Angiographie bei Verdacht auf Gefäßverletzung.
- Tetanusprophylaxe, IV-Antibiotika (Cefazolin) bei Kontamination.
Chirurgisches Management
- Erkundung & Reparatur unter Lupenbrille/Mikroskop: Nerv (epineurial/gruppierte Faszikel), Sehne (Kernnähte), Gefäß.
- Zeitpunkt: Akut (innerhalb 24 h) ideal; verzögert (bis zu 2–3 Wochen) möglich bei sauberen, scharfen Risswunden.
- Nachsorge: Immobilisation 3–4 Wochen → geschützte Mobilisation → sensorische Re-Education, Kräftigung.
Funktionelle Ergebnisfaktoren
- Alter (<30 besser), Lokalisation (distal besser), scharf vs. quetschend, Zeit bis Reparatur, Chirurgen-Erfahrung, Rehabilitationsadhärenz.
- Nervus medianus-Recovery: ~70–80 % nützliche sensorische/motorische Funktion bei akuter Reparatur.
Fazit: Druck, Hochlagerung, Schienen in sicherer Position, dringende Handchirurgen-Evaluierung. Dies ist keine „abwarten und Tee trinken“-Verletzung.
Dies ist eine Erste-Hilfe-Anleitung, kein Ersatz für Notfallmedizin.