Ein Anfall ist ein transienter Anstieg abnormaler neuroneller Aktivität. Die Identifizierung der Ätiologie leitet die Behandlung. Hauptkategorien:
Neurologisch
- Epilepsie: Wiederkehrende unbegründete Anfälle. Ätiologien: genetisch, strukturell (mesiale temporale Sklerose, Kortikaldysplasie), metabolisch, immun, infektiös, unbekannt.
- Schlaganfall: Akut (früh) oder remote (spät) Anfälle; kortikale Beteiligung erhöht das Risiko.
- Traumatische Hirnverletzung: Sofortige, frühe (<1 Woche) oder späte (>1 Woche) posttraumatische Anfälle.
- Hirntumore: Glioblastom, Meningeom, Metastasen – besonders in Frontal-/Temporallappen.
- ZNS-Infektionen: Enzephalitis (HSV, Enterovirus), Meningitis, Abszess, Neurozystizerkose.
- Neurodegenerativ: Alzheimer, Demenz mit Lewy-Körperchen.
Metabolisch/Toxisch
- Elektrolytstörungen: Hyponatriämie, Hypokalzämie, Hypomagnesiämie.
- Glukose: Hypoglykämie, hyperglykämischer hyperosmolärer Zustand.
- Urämie, hepatische Enzephalopathie.
- Medikamente: Entzug (Alkohol, Benzodiazepine), Überdosis (Trizyklika, Bupropion, Tramadol), antibiotische Neurotoxizität.
- Alkoholentzugsanfälle (6–48 Stunden nach Absetzen).
Andere medizinische Erkrankungen
- Autoimmun: Lupus cerebritis, Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis.
- Nieren-/Leberversagen.
- Eklampsie (Schwangerschaft).
- Genetische Syndrome: Tuberöse Sklerose, Down-Syndrom, Angelman-Syndrom.
Dringende Abklärung
Erstanfall, Status epilepticus, fokaler Defizit, Immundefizienz, Schwangerschaft oder Fieber → notfallmäßige Neurobildgebung, EEG, Labore, Lumbalpunktion je nach Indikation.