Transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS) ist ein nicht-invasives, medikamentenfreies Verfahren, das als Zusatztherapie bei neuropathischen Schmerzen eingesetzt wird.
Wirkmechanismen
- Gate-Control-Theorie: Hochfrequente (50–100 Hz) Stimulation aktiviert Aβ-Fasern → hemmt nozizeptive Übertragung im Rückenmarkshorn.
- Endogene Opioid-Freisetzung: Niedrigfrequente (2–10 Hz) Stimulation fördert die Freisetzung von β-Endorphin, Enkephalin, Dynorphin → absteigende Hemmung.
- Vasodilatation: Elektrische Stimulation → lokale NO-Freisetzung, Axonreflex → erhöhte Mikrozirkulation → verbesserte Nervenperfusion.
- Entzündungshemmend: Moduliert Zytokinfreisetzung (reduziert TNF-α, IL-1β) in Tiermodellen.
Klinische Evidenz
- Diabetische periphere Neuropathie: Moderate Evidenz für Schmerzreduktion (Cochrane-Reviews).
- Chemotherapie-induzierte Neuropathie: Einiger Nutzen; weniger konsistent.
- Postherpetische Neuralgie, Radikulopathie: Variabler Ansprechen.
Praktische Anwendung
- Elektrodenplatzierung: Über dem schmerzhaften Bereich, entlang des Nervenwegs oder an der kontralateralen homologen Stelle.
- Parameter: Beginn hochfrequent (80–100 Hz), Pulsbreite 100–200 µs, Intensität stark, aber angenehm (Parästhesie, nicht Schmerz).
- Dauer: 30–60 Min/Sitzung, 2–4×/Tag; kann bei tragbaren Geräten kontinuierlich genutzt werden.
- Testphase: 2–4 Wochen zur Einschätzung des Ansprechens.
Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
- Schrittmacher/ICD (es sei denn, kardiologisch zugelassen); Schwangerschaft (Abdomen/Becken); Epilepsie; Karotissinus; Malignität; beeinträchtigte Sensibilität/Hautintegrität.
- Hautreizung (Elektrodenallergie) – hypoallergenen Gele verwenden.
Integration
TENS ergänzt – ersetzt nicht – die Pharmakotherapie (Gabapentinoide, SNRI, TCAs), Physiotherapie und Lebensstiländerungen. Beste Ergebnisse mit multimodalem Ansatz.