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Funktionelle Dyspepsie: Ursachen, Symptome und stufenweises Management

Funktionelle Dyspepsie (FD) ist eine Störung der Darm-Hirn-Interaktion (DGBI), gekennzeichnet durch chronische oder wiederkehrende oberbauchliche Symptome ohne strukturelle Erkrankung bei der Endoskopie. Sie betrifft 10–20 % der Erwachsenen weltweit.

Pathophysiologie (Multifaktoriell)

  • Viszerale Hypersensitivität: Niedrigere Schmerzsensibilität gegenüber Magenstreckung, Säure, Nährstoffen.
  • Beeinträchtigte Magenakkommodation: Fundus entspannt sich postprandial nicht → frühe Sättigung, Blähungen.
  • Verzögerte Magenentleerung: ~30 % weisen gastroparesis-ähnliches Muster auf (insbesondere Übelkeit/Erbrechen-Subtyp).
  • Duodenale Dyskinesie & Eosinophilie: Verändertes Feedback, niedriggradige Entzündung.
  • H. pylori: Beseitigung heilt einen Subtyp („H. pylori-assoziierte Dyspepsie“).
  • Psychosozial: Stress, Angst, Depression verstärken Darm-Hirn-Signalgebung (via Vagus, HPA-Achse).
  • Ernährungsauslöser: Fett, Gewürze, Alkohol, Koffein, FODMAPs.

Rome-IV-Diagnosekriterien

≥1 der folgenden für ≥3 Monate (Beginn ≥6 Monate her), keine strukturelle Ursache:

  • Postprandiales Belastungssyndrom (PDS): Belästigende frühe Sättigung oder postprandiale Völlegefühl ≥3×/Woche.
  • Epigastrisches Schmerzsyndrom (EPS): Belästigender epigastrischer Schmerz/Brennen ≥1×/Woche, nicht ausschließlich postprandial.

Management (Stufenweise)

  1. H. pylori-Test & Behandlung: Nicht-invasiv (Harnstoff-Atemtest, Stuhl-Ag). Bei Positivem beseitigen.
  2. Lebensstil/Ernährung: Kleine, häufige Mahlzeiten, Auslöser meiden, Gewichtsabnahme bei Übergewicht, Raucherentwöhnung, Stressmanagement (CBT, darmgerichtete Hypnotherapie).
  3. Erstlinien-Medikamente (4–8-Wochen-Versuch):
    • PPI (Omeprazol 20 mg täglich) – am besten für EPS.
    • Prokinetikum (Acotiamid, Mosaprid, Domperidon) – für PDS/frühe Sättigung.
  4. Zweitlinien:
    • Trizyklisches Antidepressivum (Amitriptylin 10–25 mg HS) – Neuromodulation für viszerale Schmerzen.
    • SSRI/SNRI bei komorbider Angst/Depression.
    • Rifaximin (bei SIBO-Verdacht).
  5. Refraktär: Neuromodulatoren (Gabapentinoiden), psychologische Therapien, Spezialistenüberweisung.

FD ist eine Diagnose des Ausschlusses – immer zuerst Geschwür, Krebs, Reflux, Gastroparesis, Gallenwegserkrankung ausschließen. Ein positiver Therapieversuch stützt die Diagnose. Gemeinsame Entscheidungsfindung und realistische Erwartungen verbessern die Compliance und Ergebnisse.

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