Parkinsonismus ist ein klinisches Syndrom, das durch Tremor, Rigidität, Bradykinésie und posturale Instabilität gekennzeichnet ist. Die Parkinson-Krankheit (PK) ist die häufigste Ursache, aber eine genaue Klassifikation ist wesentlich für Prognose und Behandlungsplanung.
1. Idiopathische Parkinson-Krankheit (~85 % der Fälle)
- Keine bekannte Ursache; wahrscheinlich Gen-Umwelt-Interaktion.
- Merkmal: Lewy-Körperchen (α-Synuclein-Aggregate) in der Substantia nigra.
- Typischerweise ansprechbar auf Levodopa.
2. Genetische Parkinson-Krankheit (10–15 %)
- Monogene Formen: SNCA, LRRK2, PRKN, PINK1, DJ-1, VPS35 Mutationen.
- Oft jüngerer Beginn mit atypischen Merkmalen (Dystonie, kognitive Veränderungen).
- Genetische Beratung für Patienten und Familien empfohlen.
3. Sekundärer Parkinsonismus (~5 %)
- Medikamenteninduziert: Antipsychotika, Metoclopramid – meist reversibel nach Absetzen.
- Vaskulär: Multiple lacunäre Infarkte; unterkörper-vorherrschend, schlechte Levodopa-Antwort.
- Andere Ursachen: Posttraumatisch, infektiös (Enzephalitis), toxisch (MPTP, Mangan), Normaldruck-Hydrozephalus.
4. Atypische Parkinson-Syndrome (APS)
- Multiple Systematrophie (MSA): Autonome Dysfunktion plus zerebelläre oder parkinsonische Merkmale; schlechte Levodopa-Antwort.
- Progressive Supranukleäre Blickparese (PSP): Vertikale Blickparese, frühe Stürze, axiale Rigidität.
- Demenz mit Lewy-Körperchen (DLB): Demenz geht voraus oder fällt mit motorischen Symptomen zusammen; visuelle Halluzinationen, Schwankungen.
- Kortikobasale Degeneration (CBD): Asymmetrische kortikale Zeichen (Apraxie, Alien-Limb) plus Parkinsonismus.
Diagnostische Hinweise
DaTscan zeigt dopaminergen Defizit bei allen außer medikamenteninduziertem Parkinsonismus. MRI hilft, APS zu unterscheiden: Mittelhirnatrophie („Kolibri-Zeichen“) bei PSP, „Heißes-Kreuz-Zeichen“ bei MSA. Frühe Überweisung an einen Spezialisten für Bewegungsstörungen verbessert diagnostische Genauigkeit und Management.