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Impulskontrollstörungen diagnostizieren: DSM-5-Kriterien und klinischer Prozess

Impulskontrollstörungen (ICDs) im DSM-5-TR umfassen: Intermittierende Explosive Störung, Kleptomanie, Pyromanie, Verhaltensstörung, Oppositionelle Trotzstörung und Sonstige angegebene/nicht angegebene ICD. Diagnose erfordert strukturierte klinische Assessment.

Diagnostischer Prozess

1. Klinisches Interview (strukturiert/halbstrukturiert)

  • SCID-5, MINI oder clinician-geleitete DSM-5-Kriterien-Überprüfung
  • Fokus: Verhaltensereignisse (Frequenz, Intensität, Dauer, Trigger, Konsequenzen)
  • Bewerten: Drang/Spannung vor der Tat, Lust/Erleichterung während, Schuld/Reue danach (oder Fehlen davon)

2. DSM-5-TR-Kriterienanwendung (pro Störung)

  • Intermittierende Explosive Störung: Rezidivierende Verhaltensausbrüche (verbale/physische Aggression) grob unverhältnismäßig zum Stressor; nicht vorsätzlich; verursacht Leid/Beeinträchtigung; ≥6 Jahre; nicht besser anders erklärt
  • Kleptomanie: Rezidivierendes Versagen, Drang zu widerstehen, unnötige Gegenstände zu stehlen; Spannung vor, Erleichterung nach; nicht aus Wut/Rache; nicht Manie/Verhaltensstörung
  • Pyromanie: Absichtliche Brandlegung ≥2×; Spannung/Erregung vor; Faszination für Feuer; nicht aus Gewinn/Ideologie/Wut
  • Verhaltensstörung: Wiederholtes Muster, Rechte anderer/altersgerechte Normen zu verletzen (Aggression, Zerstörung, Täuschung, Regelverstoß); <18 Jahre
  • ODD: Ärgerliche/reizbare Stimmung, streitlustige/trotzige Handlung, Rachsucht ≥6 Monate; Leid/Beeinträchtigung

3. Differentialdiagnose (kritisch)

  • ADHS: Impulsivität ohne Drang-Spannung-Erleichterung-Zyklus; Unaufmerksamkeit/Hyperaktivität Kern
  • OCD: Zwangshandlungen = wiederholte Verhaltensweisen zur Angstreduktion bei Obsessionen; nicht lustgetrieben
  • Bipolare Störung: Manie = gehobene Stimmung + zielgerichtete Aktivität; ICD-Handlungen = Spannungserleichterung
  • Substanzinduziert: Intoxikation/Entzug
  • Neurokognitiv / TBI: Desinhibition durch Frontallobusschaden
  • Persönlichkeitsstörungen: Antisozial, Borderline (Impulsivitätsmerkmal vs. Störung)

4. Sekundärinformationen

  • Familie, Partner, Lehrer, Aufzeichnungen (rechtlich, schulisch, medizinisch)
  • Kindheitsmanifestation oft erforderlich (CD, ODD, Kleptomanie beginnt oft <18)

5. Komorbiditätsbewertung

  • Stimmung, Angst, Substanzgebrauch, ADHS, ASS, Trauma
  • ICDs treten selten isoliert auf

6. Funktionale Beeinträchtigungsbewertung

  • WHODAS 2.0, Sheehan Disability Scale
  • Rechtliche, berufliche, akademische, relationale Auswirkungen

Behandlungsimplikationen

  • KVT (Wutmanagement, Impulskontrollfähigkeiten, kognitive Umstrukturierung)
  • DBT (Emotionsregulation, Belastungstoleranz)
  • Pharmakotherapie: SSRIs (Kleptomanie, IED), Stimmungsstabilisatoren, atypische Antipsychotika, Naltrexon (Kleptomanie), Stimulanzien (bei ADHS-Komorbidität)
  • Rechtliche/forensische Koordination oft nötig

Genaue Diagnose durch qualifizierten Psychiater/Psychologen ist essenziell – ICDs werden häufig fehldiagnostiziert oder übersehen.

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