Niesen (Sternutation) ist ein schützender Reflex, der nasale Reizstoffe durch koordinierte Atemwegsmuskelaktivierung ausstößt.
Staub-ausgelöster Niesweg
- Partikelablagerung: Staub (und adsorbierte Allergene: Pollen, Schuppen, Milbenkot) landet auf der Nasenschleimhaut.
- Rezeptoraktivierung: C-Faser-Nociceptoren (TRPV1, TRPA1) und Mechanorezeptoren erkennen mechanische/chemische Reizung.
- Afferente Signalgebung: Trigeminusnerv (Ophthalmik-/Maxillarzweige) → lateraler Medulla (Nieszentrum).
- Zentrale Verarbeitung: Nieszentrum integriert Schwelle – „Niesauslöserzone“.
- Efferente Explosion: Koordinierte Motorausgabe:
- Tiefe Inspiration (Zwerchfell, äußere Interkostale).
- Glottisverschluss + Velum-Hebung (Druck einschließen).
- Explosive Expiration (Bauchmuskeln, innere Interkostale) → 100–150 mph Luftstrom.
- Lidschluss (schützend).
Schutzfunktionen
- Reinigt Nasenwege von Partikeln, Allergenen, Erregern.
- Verhindert tieferes Eindringen in die Atemwege.
- Setzt die Nasenschleimhautumgebung zurück.
Pathologisches Niesen
- Allergische Rhinitis: IgE-vermittelte Überempfindlichkeit – Histamin, Leukotriene senken Schwelle.
- Nicht-allergische Rhinitis: Vasomotorisch, gustatorisch, medikamentös induziert (ACE-Hemmer).
- Photischer Niesreflex: Autosomal dominant (ACHOO-Syndrom) – 18–35 % der Bevölkerung.
- Unkontrollierbares Niesen: Selten; zentrale Läsionen, psychogen.
Management
Antihistaminika (H1), intranasale Kortikosteroide, Anticholinergika (Ipratropium), Immuntherapie bei allergisch. Auslöser vermeiden. Chronisches Niesen erfordert HNO-/Allergie-Abklärung.