Die Atemfrequenz (RR) ist ein Vitalzeichen, das häufig ungenau gemessen wird, dennoch ist die richtige Technik wesentlich für die Erkennung klinischer Verschlechterung – wie Sepsis, COPD-Exazerbation oder Herzinsuffizienz.
Standardmethode: Beobachtung (bevorzugt)
- Vorbereiten: Patient ruht ≥5 Minuten, ohne von der Zählung zu wissen (um willentliche Kontrolle zu vermeiden).
- Positionieren: Auf Augenhöhe mit sichtbarer Brust/Bauchregion sitzen; sicherstellen, dass Kleidung nicht einschränkt.
- Zählen: Eine volle Minute (60 Sekunden). Jede Inspiration (Brusthebung) ODER Exspiration zählen. NICHT für 15/30 Sekunden zählen und multiplizieren – dies übersieht unregelmäßige Muster.
- Gleichzeitig beurteilen: Tiefe (flach/normal/tief), Rhythmus (regelmäßig/unregelmäßig), Anstrengung (Hilfsmuskulatur, Nasenflügeln, Lippenbremse), Symmetrie.
- Dokumentieren: Frequenz, Muster, Anstrengung, O₂-Sättigung und Zufuhrgerät (Raumluft/O₂).
Alternative Methoden
Palpation
- Hand auf dem oberen Oberbauch (Epigastrium) oder dem unteren seitlichen Brustkorb platzieren.
- Heben/Senken spüren; 60 Sekunden zählen. Nützlich, wenn die Brustwand verdeckt ist (Verband, Adipositas).
Auskultation
- Stethoskop über Luftröhre oder Lungengrund.
- Atemgeräusche 60 Sekunden zählen. Erkennt gleichzeitig Stridor, Pfeifen, Rasselgeräusche.
- Weniger praktisch für kontinuierliches Monitoring.
Technologie
- Impedanzpneumographie (EKG-Elektroden) – kontinuierlich, aber anfällig für Bewegungsartefakte.
- Kapnographie (ETCO₂) – Goldstandard für intubierte/beatmete Patienten.
- Tragbare Sensoren (Forschung/aufkommende Anwendungen).
Normwerte & Warnsignale
| Alter | Normale RR (Atemzüge/Min) | Besorgniserregender Schwellenwert |
| Erwachsener | 12–20 | >24 oder <8 |
| Kind 1–12 Jahre | 18–30 | >40 oder <10 |
| Säugling <1 Jahr | 30–60 | >60 oder <20 |
- Bradypnoe (<8): Opioidtoxizität, Hirnstammläsion, Hypothyreose.
- Tachypnoe (>24): Sepsis, Azidose, Lungenembolie, Herzinsuffizienz, Lungenentzündung, Schmerz, Angst.
- Unregelmäßige Muster: Cheyne-Stokes (Herzinsuffizienz/Schlaganfall), Biot (Hirnstamm), Kussmaul (DKA).
Klinischer Hinweis: Die Atemfrequenz ist der früheste Prädiktor für klinische Verschlechterung. Eine volle Minute zählen, jedes Mal.