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Sechster-Hirnnerv-Parese: Ursachen, Symptome und Behandlung

Sechster-Hirnnerv-Parese (Nervus-abducens-Parese) resultiert aus einer Dysfunktion des sechsten Hirnnervs (CN VI), der den Musculus rectus lateralis innerviert, der für die Abduktion des Auges (Bewegung nach außen) verantwortlich ist. Bei Lähmung zieht der ungehinderte Musculus rectus medialis das Auge nach innen (Esotropie).

Symptome

  • Horizontale Diplopie (Doppeltsehen): Schlechter in der Ferne, beim Blick zur betroffenen Seite.
  • Esotropia: Betroffenes Auge dreht sich nach innen (scheinendes Schielen).
  • Unfähigkeit, das Auge über die Mittellinie hinaus abduzieren.
  • Kopfdrehung: Patienten drehen oft das Gesicht zur betroffenen Seite, um Fusion aufrechtzuerhalten und Diplopie zu reduzieren.
  • Assoziierte Symptome: Augenschmerzen, Kopfschmerzen, Ptosis (wenn andere Nerven beteiligt), Gesichtsbetäubung (wenn Läsion im Sinus cavernosus).

Ursachen (nach anatomischer Lokalisation)

  • Kern/Faszikel (Brücke): Schlaganfall (häufigster bei älteren Erwachsenen), Demyelinisierung (MS), Tumor, Blutung.
  • Subarachnoidalraum: Erhöhter intrakranieller Druck (falsch lokalisierendes Zeichen), Meningitis, Aneurysma, Trauma.
  • Sinus cavernosus: Thrombose des Sinus cavernosus, Karotisaneurysma/-fistel, Hypophysentumor, Nasopharynxkarzinom.
  • Orbita: Orbitafraktur, Tumor, Entzündung (Tolosa-Hunt-Syndrom).
  • Systemisch/Metabolisch: Diabetes mellitus (mikrovaskuläre Ischämie – häufig), Bluthochdruck, Riesenzellarteriitis.
  • Trauma: Kopfverletzung, Orbitafraktur.

Behandlung

Hängt vollständig von der zugrunde liegenden Ursache ab:

  • Mikrovaskuläre Ischämie (Diabetes): Klingt meist innerhalb 3–6 Monate ab; Blutzucker und Blutdruck kontrollieren.
  • Komprimierende Läsionen: Dringende neurochirurgische/neuroaugensmedizinische Intervention.
  • Entzündlich: Kortikosteroide (z. B. Tolosa-Hunt, GCA).
  • Symptomatische Diplopiebehandlung: Prismengläser, Okklusion (Abkleben), Botulinumtoxin in Musculus rectus medialis oder Schieloperation nach Stabilisierung (>6 Monate).

Jeder neu aufgetretene Doppeltsehen erfordert dringende neuroaugensmedizinische Abklärung, um seh- oder lebensbedrohliche Ursachen auszuschließen.

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