Pneumonektomie (chirurgische Lungenentfernung) führt zu signifikanten, aber kompensierbaren physiologischen Veränderungen. Die meisten Patienten erreichen funktionale Unabhängigkeit durch Anpassung.
Physiologische Veränderungen
- Lungenvolumen: ~50% Reduktion von TLC, FVC, FEV₁; DLCO proportional gesenkt.
- Kompensatorisches Wachstum: Verbleibende Lunge expandiert (alveoläre Hyperplasie/Hypertrophie), erhöht Kapillardichte – maximal bei Kindern, bescheiden bei Erwachsenen.
- Kardiovaskulär: Pulmonales Gefäßbett halbiert → ↑ pulmonaler arterieller Druck, Risiko RV-Hypertrophie. Mediastinalverschiebung verändert Herzgeometrie.
- Belastbarkeit: VO₂ max gesenkt 20–30%; limitiert durch Herzzeitvolumen und Beatmungsreserve.
Klinische Implikationen
- Aktivität: Die meisten ADLs erreichbar; anstrengende Belastung (Laufen, schweres Heben) eingeschränkt.
- Infektionsrisiko: Reduzierte mukoziliare Clearance + fehlende kontralaterale Kompensation → höhere Schweregrad von Pneumonie. Impfungen kritisch (Grippe, Pneumokokken, COVID, RSV).
- Perioperatives Risiko: Zukünftige Operationen erfordern spezialisierte Anästhesie (Einlungenbeatmung unmöglich).
- Schwangerschaft: Möglich bei engmaschiger Überwachung; erhöhter Bedarf an Herzzeitvolumen.
Langfristiges Management
- Jährliche PFTs, Echo (RV-Funktion), Thoraxröntgen.
- Aggressive Behandlung von Atemwegsinfekten; niedrige Schwelle für Antibiotika.
- Rauchverzicht (absolut); Bewusstsein für Luftqualität.
- Kardiopulmonale Belastungsuntersuchung (CPET) zur Risikostratifizierung.
- Pulmonale Rehabilitation optimiert Konditionierung.
- Transplantationsprüfung, wenn verbleibende Lunge versagt (selten; komplex).
Lebensqualität
Die meisten kehren zur Arbeit, Hobbys und eigenständigem Leben zurück. Psychosoziale Unterstützung adressiert Körperbild und Angst. Peer-Netzwerke (z. B. Pneumonektomie-Selbsthilfegruppen) sind wertvoll.